Die Kafiller der Stadt
So ist das mit der Angst.
Erst kommt der Tod, dann die Verzweilfung. Sie haben eine zerschlagene Leiche. Jetzt am frühen Morgen. Ganz in der Nähe des Hochhauses.
Wenn es nur nicht so verdammt kalt wäre und nicht so windig. Und die Sonne sich schon zeigen würde oder es ganz einfach ein wärmendes Licht gäbe und nicht diese Kälte und Dunkelheit. Er verfluchte den Tag bereits, ehe er richtig begonnen hatte.
Felicia.
Hatte sie seinen Anruf nicht gehört? Oder hatte sie sich umgedreht und einfach weitergeschlafen?
Warum laufen die Dinge nie so, wie sie sollen? Als er auf das Hochhaus zuging, dachte er an die Nacht. Nicht an die Nacht, die allmählich zu Ende ging oder die Nacht davor. Immer, wenn sie ihn aus dem Schlaf holten, hatte er den gleichen Gedanken: Die nacht ist so grell wie der Tag.
Er hatte nie das Gefühl, sich zu schonen. Nicht, wenn er zu einer Leiche musste und es kalt war und dunkel.
Er ging langsam. Mit den schweren Schritten eines Mannes, der müde ist und der den abgebrochenen Schlaf wie eine Last auf der brust fühlt. Und er dachte an eine Nacht, die ihn mit Träumen begleitet und die sich ganz ruhig zwischen Abend und Morgen erstreckt und die ihm hilft, die Müdigkeit aus dem Kopf und den Knochen zu kriegen. Er wünschte sich eine lange Nacht, die so lang ist wie ein Tag, eine Nacht, die nur zum gehört.
Er holte tief Luft, ohne auf den WInd zu achten. Er hatte den Schal vergessen und der Mantel war zu dünn für die Kälte.
ISBN: 978-3-86455-932-7
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